Im ersten Artikel unserer Serie haben wir uns mit dem Marmeladen-Paradoxon auseinandergesetzt und erarbeitet, wie dieses psychologische Phänomen unser Kaufverhalten beeinflusst und wie es sich in Shopware produktiv nutzen lässt. Nun werfen wir einen genaueren Blick auf das menschliche Gedächtnis und die wichtigen Prinzipien dahinter. Denn auch sie haben Einfluss auf das Shoppingerlebnis im E-Commerce und können in Shopware gezielt eingesetzt werden.

Das psychologische Prinzip

Die Fähigkeit, sich zu erinnern, ist beim Menschen besser und intensiver ausgeprägt als bei jedem anderen Tier. Wir können uns viele Daten und Ereignisse merken. Dennoch funktioniert unsere Erinnerung nicht wie einem Film, den wir einfach zurückspulen können. Der Prozess des Erinnerns ist vielmehr rekonstruktiv und anfällig für Fehler und Verzerrungen. Das Gedächtnis wird vereinfacht in 3 Abschnitte unterteilt:

  • Ultrakurzzeitgedächtnis (filtert unsere Eindrücke)
  • Kurzzeitgedächtnis (Zwischenspeicher für Informationen, auch Arbeitsgedächtnis genannt)
  • Langzeitgedächtnis (speichert Erinnerungen langfristig bis lebenslang)

Für unsere Betrachtung in Hinblick auf Online-Shopping ist das Kurzzeitgedächtnis besonders interessant, denn hier werden die Informationen verarbeitet. Obwohl es so komplex ist, hat das Arbeitsgedächtnis eine sehr begrenzte Kapazität. Die neuesten Untersuchungen gehen davon aus, dass wir uns nur drei bis vier Wissenseinheiten (Chunks genannt) kurzzeitig merken können. Und diese verschwinden schnell wieder. Über einige Sekunden bis Minuten können wir uns beispielsweise eine Telefonnummer, einen Produktnamen oder eine bestimmte Information merken.

Psychologie in UX: Wie kann Design Nutzern beim Erinnern helfen?

Betrachtet man die Funktionsweisen der verschiedenen Gedächtnistypen, ist klar: Wir sollten Nutzern nicht unnötig zumuten, sich Dinge von einer Seite zur anderen merken zu müssen. Hilfestellung bieten beispielsweise folgende Funktionen:

  • Vergleichstabellen: Bei der geringen Menge an Informationen, die unser Kurzzeitgedächtnis zwischenspeichern kann, ist es nahezu unmöglich, ein Produkt mit mehr als einer Eigenschaft zu vergleichen. (Beispiel siehe Bild: Apple)

  • Warenkorb oder Favoriten: Oft weiß der Nutzer gar nicht mehr, welches Produkt er favorisiert hat oder sogar schon mal im Warenkorb hatte. Was er nicht erinnert, kann er auch nicht kaufen.

  • Zuletzt angesehene Artikel auf der Startseite: Zum einen muss der Kunde sich die Artikel dann nicht merken, zum anderen bewertet er Sachen positiver, wenn er sie schon kennt. Wiedererkennen aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. (Beispiele siehe Galerie: Amazon, Thalia und Otto)

Umsetzung in Shopware

Filter

Sinnvoll angelegte Filter tragen ebenfalls dazu bei, dass sich Ihre Kunden innerhalb Ihres Produktangebots zurechtfinden können. So können sie die Auswahl Ihrer Produkte eingrenzen und bekommen nur die Produkte ausgespielt, welche für sie und ihre Anforderungen relevant sind.

Shopware ermöglicht es innerhalb des Reiters „Eigenschaften“, individuelle Filter für jedes Artikellisting anzulegen und diese Filterkategorien mit unterschiedlichen Eigenschaften zu befüllen.

Neue Filterkategorien oder weitere Eigenschaften je Filterkategorie können innerhalb weniger Klicks zusammengestellt werden.

Vergleichstabellen

Die Möglichkeit, Produkte miteinander zu vergleichen und alle Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf einem Blick zu erfassen, unterstützt Ihre Kunden ebenfalls dabei, leichter Entscheidungen zu treffen.

Innerhalb der Vergleichstabelle in Shopware werden alle Eigenschaften miteinander verglichen, welche innerhalb der Backendkonfiguration hinterlegt wurden.

Merkliste

Damit Ihre Kunden Produkte, welche sie zwar favorisieren, aktuell aber nicht kaufen möchten, nicht aus den Augen verlieren, können sie diese in ihrer persönlichen Merkliste speichern.

Durch einen Klick auf den „Merken“-Button gelangen die Artikel auf die Liste und werden dort so lange gespeichert, bis der Kunde sie aktiv aus seiner Liste entfernt.

Zuletzt angesehene Artikel

Auch Silder mit „zuletzt angesehenen Artikeln“ können innerhalb von Shopware an beliebigen Orten im Onlineshops platziert werden.

Dieser Silder ist ein bereits bestehendes Element, welches im Shopware Standard verfügbar ist und im Bearbeitungsmodus der Erlebniswelten beliebig oft und an unterschiedlichen Punkten eingefügt werden kann.

So kann dieser Slider beispielsweise innerhalb des Produktlistings oder auf der Startseite auftauchen.
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Durch einfache Handgriffe können Sie in Shopware also dafür sorgen, dass sich die biologischen Hürden des menschlichen Gedächtnisses nicht negativ auf das Kaufverhalten auswirken. Nun, da wir die ersten beiden psychologischen Phänomene angesehen haben, widmen wir uns im nächsten und letzten Artikel der Reihe dem Konzept des Social Proof.
Webinar: UX und Psychologie
Zum Thema "3 psychologische Prinzipien für bessere Conversion Rates mit Shopware" empfehlen wir auch unsere Webinar-Aufzeichnung.
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